03.10.1990

Deutsche Einheit und Jugendverbandsarbeit - mein Weg mit den Pfadfindern

1989, im November als die Mauer fiel, zu Fall gebracht wurde, war ich fast 11 Jahre alt, am 3. Oktober 1990 dann schon fast 12. Dann kamen die 90ziger – Der Journalist Christian Bangel hat für diese Zeit den Begriff „Baseballschlägerjahre“ geprägt und ich weiß sofort was er meint. Kann das Gefühl der 90er problemlos abrufen. Was für eine intensive Zeit! Ich lebte in Anklam. Das mag für sich stehen. Ich hatte meine Insel, meinen Platz, meine Tankstelle. Das war der Pfadfinderbund Mecklenburg-Vorpommern. Im Jugendverband hatte ich die Chance zu wachsen, zu Fuß durch Europa zu wandern und mit Menschen um mich rum, die so alt waren wie ich Spaß zu haben. Wir haben zusammen gelacht, Fragen gestellt und am Lagerfeuer die Welt verändert. Das war gut, das war super gut. Ich bin zur Demokratin geworden an diesem Ort, wie an keinem anderen. Zu Hause ist zu Hause – da war es gut. Aber politisch war es da eher nicht. Meine Eltern waren dabei durch den Alltag zu kommen, nachdem man das vertraute System gerade unter ihren Füßen weggezogen worden war, sie es sich mit weggezogen haben. Das haben sie super gerockt, fraglos. Aber sie konnten mir nicht sagen, wie die Demokratie funktioniert. Wir lernten das ja irgendwie zeitgleich. Schule. Schule war auch kein Ort, um Demokratie zu lernen. Sozialkunde – Bundeswahlversammlung, Bunderegierung, Tag und Rat … klar Begriffe. Zunächst leer. Aber für den Test hatte ich sie alle drauf. Entscheidungen gemeinsam treffen, Kompromisse aushandeln, eigene Räume und Zeiten gestalten, Prioritäten gemeinsam setzen, respektvoll die andere Meinung, den anderen Menschen ernstnehmen – das alles lernet ich im Jugendverband. Ich bin leidenschaftliche Demokratin geworden im Pfadfinderbund Mecklenburg Vorpommern, während auf den Straßen meiner Stadt, Springerstiefel marschierten. Was für ein Geschenk!

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